Die transatlantischen Beziehungen stehen unter Druck, und die europäische Elite blickt mit Sorge auf die Außenpolitik von Donald Trump. Finnlands Präsident Alexander Stubb, bekannt für seine enge persönliche Beziehung zum ehemaligen US-Präsidenten, bietet eine einzigartige Perspektive auf die Herausforderungen und Chancen, die sich für Europa und die Nato ergeben. In einem exklusiven Interview mit der „Politico“-Korrespondentin Dasha Burns sprach Stubb über die Zukunft des Bündnisses und die Rolle der USA in einer sich wandelnden Weltordnung.
Stubb, ein überzeugter Anhänger multilateraler Zusammenarbeit, sieht Trumps „transaktionale“ Politik kritisch. Er argumentiert, dass eine Weltordnung, die auf Deals und Machtinteressen basiert, langfristig nicht tragfähig sei. Besonders im Iran-Konflikt habe sich gezeigt, dass internationale Institutionen und Regeln unverzichtbar bleiben. Dennoch erkennt Stubb an, dass Europa sich stärker in die Verantwortung nehmen muss, insbesondere in Bezug auf die Nato und den Ukraine-Krieg.
Der finnische Präsident bezeichnet die russische Invasion in der Ukraine als strategischen Fehlschlag für Moskau. Er hebt hervor, dass Kiew mittlerweile eine stärkere Verhandlungsposition habe als je zuvor. Europa müsse die Ukraine unterstützen, doch die Dynamik habe sich gewandelt: Die Ukraine sei nun ein unverzichtbarer Partner für Europa. Gleichzeitig betont Stubb, dass die USA weiterhin eine Schlüsselrolle in Friedensverhandlungen spielen, auch wenn Europa zunehmend Verantwortung übernimmt.
Die Nato, so Stubb, befinde sich in einer Phase der Transformation hin zu einer „Nato 3.0“. Das Bündnis kehre zu seinen Ursprüngen der kollektiven Verteidigung zurück, wobei Europa eine größere Last trage. Trotz der oft polarisierenden Rhetorik von Trump bleibt Stubb optimistisch: Die Nato sei heute stärker als jemals zuvor. Er ruft die Europäer dazu auf, sich nicht von Ängsten leiten zu lassen, sondern pragmatisch und ruhig zu handeln.
Mit einem Augenzwinkern empfiehlt Stubb den Europäern, sich ein Beispiel an den Finnen zu nehmen: „Geht in die Sauna, nehmt ein kaltes Bad, beruhigt euch. Wir werden das regeln.“ Diese Haltung spiegelt seinen Glauben wider, dass die transatlantische Partnerschaft trotz Herausforderungen Bestand haben wird. Mit Zuversicht blickt er auf den bevorstehenden Nato-Gipfel, überzeugt davon, dass die USA Finnland im Ernstfall verteidigen würden.