In einer politischen Landschaft, die von konservativen und rechten Kräften dominiert wird, hat Elke Kahr, die Bürgermeisterin von Graz, ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt. Mit 36 Prozent der Stimmen konnte sie nicht nur ihr Amt verteidigen, sondern auch den Vorsprung ihrer Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) im Gemeinderat weiter ausbauen – ein Zuwachs von sieben Prozentpunkten im Vergleich zu 2021. Die konservative Österreichische Volkspartei (ÖVP), die über Jahrzehnte die Politik der steirischen Landeshauptstadt prägte, fiel mit 25 Prozent weit zurück. Die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) erreichte lediglich 12 Prozent, während die Sozialdemokraten mit 5,63 Prozent nahezu in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwanden.
Doch wie konnte eine Kommunistin in einer traditionell bürgerlich geprägten Stadt wie Graz derart erfolgreich sein? Die Antwort liegt in der Persönlichkeit und Politik von Elke Kahr. Geboren 1961 und aufgewachsen in einer Arbeitersiedlung, fand sie 1979 in der KPÖ eine politische Heimat, die ihren Idealen von Gleichheit und Gemeinschaft entsprach. Trotz der historischen Nähe der Partei zur Sowjetunion distanzierte sich Kahr früh von dogmatischen Ansätzen und setzte auf pragmatische Lösungen für die alltäglichen Probleme der Bürger. Sie lehnt moderne linke Identitätspolitik ab und sucht stattdessen den Dialog – selbst mit politischen Gegnern wie der FPÖ, da diese schließlich auch von Bürgern gewählt wurden.
Das Erfolgsrezept der KPÖ in Graz ist so einfach wie wirkungsvoll: Nahbarkeit und konkrete Hilfe. Bereits in den 1990er Jahren etablierte die Partei durch das kommunale Wohnressort eine Politik der Bürgernähe. Kahrs Vorgänger Ernest Kaltenegger war bekannt dafür, selbst Hand anzulegen, um Probleme zu lösen. Kahr führte diesen Ansatz fort und machte die KPÖ 2021 zur stärksten Kraft in Graz. Ihre Politik ist geprägt von einem pragmatischen Ansatz, der nicht auf ideologische Grabenkämpfe setzt, sondern auf die unmittelbare Verbesserung der Lebensumstände der Menschen abzielt.
Obwohl die KPÖ auf Bundesebene mit nur drei Prozent der Stimmen eine marginale Rolle spielt, zeigt das Beispiel Graz, dass authentische und bürgernahe Politik auch in scheinbar unüberwindbaren politischen Landschaften erfolgreich sein kann. Kahr selbst bleibt jedoch bescheiden: Es gebe keine universelle Blaupause für den Erfolg, betont sie. Letztlich komme es immer auf die Menschen an – und darauf, ob sie bereit seien, Ideen mit Leben zu füllen.