Gewalt im Gesundheitswesen: Alarmierende Zahlen
Gewalt im Gesundheitswesen: Alarmierende Zahlen
Über die Hälfte der Ärzte und Pfleger in Deutschland sind Opfer von Gewalt – ein erschreckender Befund.
Die erste repräsentative Studie zur Gewalt im deutschen Gesundheitswesen offenbart alarmierende Zahlen: 57 Prozent der Ärzte und Pflegekräfte berichten von körperlichen oder verbalen Übergriffen. Besonders betroffen sind Notaufnahmen, wo Drohungen, Schläge, Tritte und Beleidigungen zum Alltag gehören. Die Täter sind oft psychisch Kranke, Drogenabhängige oder demenziell Erkrankte, doch seit der Corona-Pandemie zeigt sich eine zunehmende Aggressivität in der gesamten Bevölkerung.
Chefarzt Norman Hecker vom Evangelischen Klinikum Gelsenkirchen schildert drastische Vorfälle aus seinem Arbeitsalltag: Eine Krankenschwester musste einen Patienten überwältigen, der einen Kollegen angriff. Ein anderer Vorfall ereignete sich, als ein Betrunkener einem Pfleger Desinfektionsmittel ins Gesicht schütten wollte. Hecker selbst geriet in ein Handgemenge und musste den Täter überwältigen. Solche Szenen sind keine Ausnahme, sondern symptomatisch für die angespannte Lage in deutschen Krankenhäusern.
Besonders junge Beschäftigte sind gefährdet: Laut der Studie des NRW-Gesundheitsministeriums waren knapp 80 Prozent der Unter-30-Jährigen von Gewalt betroffen, darunter auch sexualisierte Übergriffe. Im Vergleich dazu erlebten nur 29 Prozent der Über-60-Jährigen ähnliche Vorfälle. Rassismus ist ebenfalls ein großes Problem. Mitarbeiter mit Migrationshintergrund werden oft als „Scheißausländer“ beschimpft, während deutschstämmige Kollegen als „Nazis“ diffamiert werden. Diese Vorfälle spiegeln die gesellschaftlichen Spannungen wider, die sich auch im Gesundheitswesen bemerkbar machen.
Um die Gewalt besser zu erfassen und zu bekämpfen, hat NRW-Innenminister Herbert Reul auf der Innenministerkonferenz Maßnahmen angestoßen. Künftig sollen alle Formen von Gewalt im Gesundheitsbereich in der Polizeilichen Kriminalstatistik dokumentiert werden. Zudem engagiert sich das Netzwerk „Sicher im Dienst“ für Präventionsarbeit und Schutzmaßnahmen. Hecker betont, dass es nicht nur um die Sicherheit der Mitarbeiter geht, sondern auch um die Qualität der Patientenversorgung, die durch Gewalt massiv beeinträchtigt wird.
Die Studie zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Gewalt im Gesundheitswesen ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung. Es braucht umfassende Maßnahmen, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten und die Eskalation in Krankenhäusern einzudämmen. Die Ergebnisse der Studie sollten als Weckruf dienen, um die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen nachhaltig zu verbessern.
Bearbeitet und vorbereitet von AboMatrix
