Der Vertrauensverlust von Friedrich Merz, Bundeskanzler und Vorsitzender der CDU, sorgt für Schlagzeilen. Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, bezeichnet die Umfragewerte von Merz als „beispiellos“. Im Interview mit dem „Tagesspiegel“ analysiert Güllner die Gründe für den Absturz und verweist auf historische Parallelen: Bereits 2002, als Merz Fraktionsvorsitzender der Union war, galt er als wenig sympathisch. Besonders bei Frauen, jungen Menschen und Ostdeutschen habe er nie Zuspruch gefunden.
Die aktuellen Zahlen zeichnen ein düsteres Bild: Im Politikerranking des Meinungsforschungsinstituts Insa belegt Merz den letzten Platz. Die Union, die bei der Bundestagswahl 2021 noch 28,5 Prozent erreichte, kommt laut Allensbach derzeit auf lediglich 24 Prozent. Eine YouGov-Umfrage zeigt sogar einen Absturz auf 20 Prozent. Güllner sieht die Ursachen nicht nur in der Persönlichkeit des Kanzlers, sondern auch in strategischen Fehlern. Besonders der Bundestagswahlkampf 2025, bei dem Merz auf eine Abstimmung mit der AfD setzte, sei ein „Debakel“ gewesen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Themenwahl der CDU unter Merz. Statt auf Wirtschaft und soziale Sicherheit zu setzen, habe der Kanzler Migration in den Vordergrund gerückt – ein Thema, das laut Güllner nicht die breite Bevölkerung anspricht. Zudem wirft er Merz vor, über die Köpfe der Menschen hinweg zu reden und sich von Beratern leiten zu lassen, die eher als „Claqueure“ fungieren, denn als strategische Ratgeber.
Ein Hoffnungsschimmer könnte laut Güllner die Rentenreform sein. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hat kürzlich ein umfassendes Konzept für die Umgestaltung der Altersvorsorge vorgestellt. Merz hat angekündigt, dieses Konzept vollständig umzusetzen. Güllner sieht darin eine Chance, die Unzufriedenheit mit Merz und seiner Regierung zumindest teilweise zu mildern.
Trotz der schlechten Umfragewerte bescheinigt Güllner der CDU ein Wählerpotenzial von bis zu 45 Prozent und der SPD sogar 46 Prozent. Viele Wahlberechtigte seien grundsätzlich geneigt, eine der beiden Parteien zu wählen, fühlten sich jedoch von deren aktuellem Angebot abgeschreckt. Besonders die SPD habe durch ihre Fokussierung auf Themen wie den Mindestlohn und das Bürgergeld viele Wähler aus der Industrie verloren. Dennoch bleibe die SPD für viele Deutsche eine geschätzte Institution, auch wenn Programm und Personal nicht überzeugen.