Finnlands Außenministerin Elina Valtonen hat in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine klare Botschaft an Europa gesandt: Es sei nicht der richtige Zeitpunkt, über eine Wiederaufnahme von Handels- oder politischen Beziehungen zu Russland nachzudenken. Mit Blick auf die hybride Kriegsführung und die fortwährenden Provokationen Russlands betonte sie, dass Abschreckung das Gebot der Stunde bleibe. „Wir dürfen nicht erneut in eine Situation zurückfallen, wie wir sie vor dem Krieg hatten, als wir Moskaus Verhalten viel zu oft ignoriert haben“, mahnte Valtonen eindringlich.
Die Ministerin unterstrich, dass Finnland aufgrund seiner geografischen Nähe und historischen Erfahrungen mit Russland eine besondere Perspektive auf die Bedrohung durch Moskau habe. „Wir wissen, dass man sich nicht einschüchtern lassen darf“, erklärte sie. Valtonen forderte Europa auf, geschlossen und entschlossen zu handeln, um die Freiheit der Ukraine zu verteidigen und den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. „Jetzt ist absolut nicht die Zeit, wieder an Handelsbeziehungen oder politische Kontakte zu denken“, fügte sie hinzu.
Mit Blick auf mögliche diplomatische Verhandlungen zeigte sich Valtonen skeptisch. Sie warnte davor, voreilig Gespräche mit Moskau zu suchen, ohne klare Ziele zu formulieren. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Europa verzweifelt nach einem Frieden sucht, egal unter welchen Bedingungen“, sagte sie. Zwar sei es sinnvoll, Gespräche auf Beamtenebene vorzubereiten, doch für politische Verhandlungen sei die Zeit noch nicht reif. Russland halte weiterhin an seinen maximalen Zielen fest, darunter die vollständige Unterwerfung der Ukraine – ein Szenario, das Europa nicht akzeptieren könne.
Valtonen sprach sich dafür aus, dass Berlin, Paris und London als sogenannte E3 eine führende Rolle in möglichen Verhandlungen übernehmen könnten, betonte jedoch die Notwendigkeit, auch die östlichen und nordischen Länder einzubeziehen. „Gerade wir im Norden sind direkt betroffen – sei es durch unsere Grenzen zu Russland oder unsere Rolle als Ostsee-Anrainer“, erklärte sie. Finnland und andere nordische Länder gehörten zu den größten Unterstützern der Ukraine und müssten daher eine zentrale Stimme in der europäischen Diplomatie haben.