Drei Schießereien an einem Tag: Clan-Gewalt eskaliert in Berlin
Drei Schießereien an einem Tag: Clan-Gewalt eskaliert in Berlin
Am 27. Oktober kam es in Berlin zu drei Schießereien, die offenbar im Zusammenhang mit eskalierender Clan-Kriminalität stehen.
Am 27. Oktober ereigneten sich in Berlin innerhalb eines Tages drei Schießereien, die die Polizei mit Clan-Kriminalität in Verbindung bringt. Der erste Vorfall ereignete sich um 19:45 Uhr in der Nahariyastraße in Lichtenrade, wo ein bislang unbekannter Täter mehrfach auf einen 47-jährigen Mann schoss. Das Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Fast zeitgleich wurden am Falkenseer Platz in Spandau vier Schüsse abgegeben, nachdem ein Auto von zwei anderen Fahrzeugen von der Straße gedrängt worden war. Die Polizei konnte in der Nähe vier Männer im Alter zwischen 21 und 31 Jahren festnehmen. Später am Abend entdeckte ein 22-Jähriger in Staaken mehrere Einschusslöcher in seinem geparkten Wagen. Die Ermittler vermuten einen Erpressungsversuch.
Die Berliner Polizei verzeichnete 2025 insgesamt 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, was einem Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits 585 Delikte registriert, darunter 261 Fälle, in denen tatsächlich Schüsse abgegeben wurden. Ermittler berichten, dass die jüngsten Vorfälle auf Schutzgelderpressungen zurückzuführen sind, bei denen Täter hohe Geldsummen fordern und bei Nichtzahlung mit Schüssen drohen. Die Drahtzieher dieser organisierten Kriminalität sollen sich vorwiegend im Ausland, insbesondere in der Türkei, befinden, während die ausführenden Täter meist in Berlin ansässig sind.
Die Polizei und Staatsanwaltschaft haben als Reaktion auf die zunehmende Clan-Kriminalität spezielle Einheiten gegründet: die Polizei-Einheit ‚Ferrum‘ und die Staatsanwaltschaftseinheit ‚Telum‘. Seit Ende 2025 wurden mehr als 720 Ermittlungsverfahren eingeleitet, von denen über 480 noch laufen. Laut Polizeistatistik wurden im ersten Halbjahr 2026 bei 65 Schießereien 118 Personen als Opfer erfasst, darunter zwei Todesfälle. Ermittler warnen, dass auch unbeteiligte Personen in die Schusslinie geraten könnten. Die Situation zeigt die wachsende Herausforderung, die Clan-Kriminalität in der Hauptstadt einzudämmen.
