Staatsschutz ermittelt: Brandanschlag auf alternatives Wohnprojekt in Cottbus
Staatsschutz ermittelt: Brandanschlag auf alternatives Wohnprojekt in Cottbus
In Cottbus wurde ein mutmaßlicher Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ verübt, bei dem die Polizei wegen versuchten Mordes ermittelt.
In der Nacht zum Donnerstag ereignete sich ein mutmaßlicher Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus. Unbekannte warfen mehrere Flaschen, die mit brennbaren Flüssigkeiten gefüllt waren, gegen die Fassade des Gebäudes. Die Polizei konnte einen kleinen Brand nahe dem Wohnprojekt löschen, und es wurden keine Verletzten gemeldet. Aufgrund der Tatsache, dass sich zur Tatzeit Personen im Gebäude aufhielten, ermittelt die Polizei wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Der Staatsschutz hat eine Ermittlungsgruppe mit der Mordkommission gegründet, und der Schutz des Wohnprojekts wurde verstärkt.
Nach ersten Zeugenaussagen sollen zwei Männer, die etwa 15 bis 20 Jahre alt und schwarz gekleidet waren, bei der Tat beobachtet worden sein. Die Polizei geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus, da das Wohnprojekt „Zelle 79“ bereits in der Vergangenheit Ziel von Angriffen war. Im vergangenen Jahr kam es zu mehreren Vorfällen, darunter der Versuch, die Tür des Gebäudes mit einem Böller zu sprengen, sowie Angriffe mit Pyrotechnik. Der aktuelle Vorfall ereignete sich während der Christopher-Street-Day-Aktionswochen in Cottbus, wobei das Gebäude mit einem CSD-Plakat und einer Regenbogenflagge geschmückt war.
Lukas Pellio, Sprecher der Initiative Sichere Orte, bezeichnete den Brandanschlag als einen Angriff auf queeres Leben in Cottbus. Die Stadt gilt als ein Schwerpunkt des Rechtsextremismus in Brandenburg. Im Frühjahr wurden antisemitische Schriftzüge und ein schwarzes Hakenkreuz an die Synagoge in der Fußgängerzone geschmiert, und ein anderes alternatives Wohnprojekt wurde mit einer Leuchtfackel angegriffen. Ende April demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Cottbus gegen rechte Gewalt. Die Ermittlungen zu den aktuellen Vorfällen dauern an.
Quelle: faz.net
