Die Lausitz, einst eine der zentralen Energiequellen der DDR, erlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Wo früher Schaufelradbagger Braunkohle förderten, erstreckt sich heute Europas größte künstliche Seenlandschaft. Mit der offiziellen Eröffnung des Sedlitzer Sees, dem jüngsten und größten der fünf miteinander verbundenen Gewässer, wird ein neues Kapitel in der Geschichte der Region aufgeschlagen. Die Seenlandschaft umfasst insgesamt 5.100 Hektar Wasserfläche, die durch eine Investition von 941 Millionen Euro seit den 1990er-Jahren geschaffen wurde.
Die Transformation der ehemaligen Tagebaulandschaft in ein Naherholungsgebiet erforderte umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. Ufer wurden stabilisiert, Böden verdichtet und die Gruben geflutet. Heute bieten die Seen ein stabiles, pH-neutrales Milieu und sind für Wassersport, Schifffahrt und Badegäste freigegeben. Mit einer schiffbaren Verbindung von etwa 50 Kilometern Länge und mehreren ausgeschilderten Badestränden ist die Region bereit, Besucher aus ganz Deutschland und darüber hinaus zu empfangen.
Der Tourismusverband Lausitzer Seenland sieht großes Potenzial in der neuen Seenlandschaft. Laut Kathrin Winkler, einer Vertreterin des Verbands, soll die Zahl der Übernachtungen in den kommenden Jahren auf 1,5 Millionen pro Jahr steigen. Doch um dieses Ziel zu erreichen, sind weitere Investitionen notwendig. Es fehlt an größeren Ferienhaussiedlungen, Hotels mit Wellnessangeboten und einer besseren Infrastruktur, um auch in den Wintermonaten attraktiv zu sein.
Trotz der beeindruckenden Fortschritte gibt es noch Herausforderungen. So mangelt es an einigen Seen an grundlegenden Einrichtungen wie Supermärkten oder Restaurants. Besucher wie Volker Lieske aus Rheinland-Pfalz bemängeln, dass es schwierig sei, sich vor Ort mit Lebensmitteln zu versorgen. Dennoch loben viele Gäste die gut ausgebauten Radwege und die bereits vorhandenen Freizeitmöglichkeiten.
Die Eröffnung der Seenlandschaft wurde von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke begleitet, der an die industrielle Vergangenheit der Region erinnerte. Er betonte, wie visionär die Idee einer Tourismuslandschaft in den frühen 1990er-Jahren erschien. Heute zeigt sich, dass der Wandel von der ‚Mondlandschaft‘ hin zu einem Erholungsparadies gelungen ist – auch wenn noch viel Potenzial für Weiterentwicklungen besteht.