Die Rekordhitze der vergangenen Woche hat nicht nur die Thermometer in Deutschland auf Höchstwerte getrieben, sondern auch eine hitzige politische Debatte entfacht. Mit Temperaturen von bis zu 41,7 Grad in Brandenburg und einer Infrastruktur, die diesen Extrembedingungen nicht gewachsen ist, zeigt sich, wie dringend Anpassungen an den Klimawandel notwendig sind. Während die Temperaturen nun sinken, bleibt die Diskussion um besseren Hitzeschutz brandaktuell.
Eine Studie der World Weather Attribution verdeutlicht, dass solche Hitzewellen vor 50 Jahren nahezu undenkbar gewesen wären. Der Klimawandel hat Europa und insbesondere Deutschland schneller erwärmt als viele andere Regionen der Welt. Mobilitätsforscher Andreas Knie betont, dass die bestehende Infrastruktur nicht für diese Temperaturen ausgelegt ist. Autobahnen, Flughäfen und Schienenwege sind besonders anfällig, wie das vergangene Wochenende eindrucksvoll bewies: Aufgeplatzte Asphaltdecken, gesperrte Straßen und ausgefallene Züge waren die Folge.
Die Deutsche Bahn sah sich gezwungen, Reisende zu warnen und nicht notwendige Fahrten zu vermeiden. Städte wie Leipzig, Nürnberg und Würzburg kämpften mit geschmolzenen Fugenmasse, die Schienen und Weichen beschädigte. Auch Flughäfen hatten mit überhitzten Startbahnen zu kämpfen. Die Grünen kritisierten die Bundesregierung scharf und warfen ihr einen „Totalausfall“ beim Klimaschutz vor. Fraktionschefin Katharina Dröge fordert ein Sofortprogramm, das insbesondere ältere Menschen und Kinder besser schützt, etwa durch Klimaanlagen in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Schulen.
Doch die Umsetzung solcher Maßnahmen scheitert oft an finanziellen Hürden. Uwe Conradt, Vizepräsident des deutschen Städtetages, weist darauf hin, dass viele Kommunen aufgrund historisch hoher Haushaltsdefizite kaum Mittel für Hitzeschutzmaßnahmen haben. Trinkbrunnen, Grünflächen und Sonnensegel bleiben vielerorts Wunschdenken. Auch Krankenhäuser und Pflegeheime stehen unter enormer Belastung. Laut Robert Koch-Institut starben allein im Hitzesommer 2018 über 8.000 Menschen an den Folgen extremer Temperaturen.
Uwe Janssens von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin fordert massive Investitionen in die Resilienz der Krankenhäuser. Er beziffert den Bedarf auf 21 bis 30 Milliarden Euro, die jedoch von den Ländern nicht bereitgestellt werden. Die jüngste Hitzewelle hat gezeigt, dass Deutschland dringend handeln muss, um sich gegen die immer extremer werdenden Wetterbedingungen zu wappnen. Die Zeit drängt, denn der Klimawandel kennt keine Pause.