Die jüngste Hitzewelle, die Europa mit Rekordtemperaturen überzieht, hat auch die Europäische Kommission in Brüssel ins Schwitzen gebracht – zumindest teilweise. Am Freitag musste die Klimaanlage im Berlaymont-Gebäude, dem Hauptsitz der Kommission, aufgrund der extremen Wetterbedingungen abgeschaltet werden. Betroffen waren die Stockwerke eins bis sieben, in denen rund 3000 Mitarbeiter arbeiten. Doch während die unteren Etagen der Gluthitze ausgeliefert waren, blieb es in den höheren Stockwerken, darunter auch im Büro von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, angenehm kühl.
Die Entscheidung, die Klimaanlage nur in bestimmten Bereichen abzuschalten, sorgte für erheblichen Unmut unter den Mitarbeitern. „Das ist wie Feudalismus“, äußerte sich ein Angestellter gegenüber dem Nachrichtenportal „Politico“. Ein anderer sprach von einer „Schande“. Die Temperatur in den klimatisierten oberen Etagen erreichte dennoch bis zu 25,7 Grad Celsius, wie ein Mitarbeiter aus dem achten Stock berichtete. Die Diskrepanz zwischen den Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Etagen des Gebäudes wirft Fragen zur Gleichbehandlung und Fürsorge innerhalb der Institution auf.
Die Hitzewelle hat nicht nur die EU-Kommission, sondern auch andere europäische Institutionen vor Herausforderungen gestellt. Das Europäische Parlament kämpfte diese Woche mit Stromausfällen, da die Kühlsysteme unter der Belastung zusammenbrachen. Die Generaldirektion Landwirtschaft, deren Gebäude ebenfalls ohne Klimaanlage auskommen musste, reagierte mit Unmut auf die von der Kommission ausgegebenen Hitzetipps. Empfehlungen wie „früher mit der Arbeit beginnen“ oder „regelmäßig Wasser trinken“ wurden von vielen als unzureichend und wenig hilfreich empfunden.
Die Situation wirft ein Schlaglicht auf die Infrastruktur und Krisenmanagementfähigkeiten der EU in Zeiten extremer Wetterbedingungen. Während die Klimaanlagenpolitik im Berlaymont-Gebäude für Schlagzeilen sorgt, bleibt die Frage offen, wie die EU langfristig auf die zunehmenden Herausforderungen durch den Klimawandel reagieren wird. Die Kritik an der ungleichen Verteilung von Ressourcen innerhalb der Institution könnte ein Weckruf sein, der die Notwendigkeit einer umfassenden Reform unterstreicht.