Die deutsche Literaturszene feiert einen neuen Stern am Himmel: Lena Schätte, eine 32-jährige Autorin aus Nordrhein-Westfalen, hat den prestigeträchtigen Ingeborg-Bachmann-Preis 2023 gewonnen. Mit ihrem eindringlichen Text „Was wir tragen“, der die bewegende Geschichte zweier übergewichtiger Schülerinnen erzählt, die als soziale Außenseiterinnen ihren Weg durchs Leben suchen, überzeugte sie die hochkarätige Jury. Die Laudatio des Jurors Thomas Strässle hob die „existenziellen Wucht“ des Textes hervor und lobte Schättes Fähigkeit, das Thema Ausgrenzung ohne moralischen Zeigefinger zu behandeln.
Der Ingeborg-Bachmann-Preis, der seit 1977 im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt verliehen wird, zählt zu den bedeutendsten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr war die Auszeichnung mit 30.000 Euro dotiert. Neben dem Hauptpreis konnte Schätte auch den Publikumspreis für sich gewinnen, was ihre literarische Leistung zusätzlich unterstreicht. Die Autorin zeigte sich sichtlich bewegt und beschrieb ihren Triumph als „einen Fiebertraum“.
Lena Schätte, die aus Lüdenscheid stammt und heute in Altena lebt, hat einen bemerkenswerten Werdegang. Vor ihrer literarischen Karriere arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester, bevor sie 2020 ein Studium am renommierten Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. Bereits im vergangenen Jahr machte sie mit ihrem Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“, der es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schaffte, auf sich aufmerksam.
Der Ingeborg-Bachmann-Preis, der im Gedenken an die österreichische Lyrikerin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann ins Leben gerufen wurde, hat eine lange Tradition. Zu den bisherigen Preisträgern zählen literarische Größen wie Sten Nadolny, Sibylle Lewitscharoff und Helga Schubert. In diesem Jahr fällt die Verleihung mit einem besonderen Jubiläum zusammen: Am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Die diesjährige Auszeichnung unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Literatur als Spiegel gesellschaftlicher Themen und als Plattform für Stimmen, die oft überhört werden.