Thüringer Abgeordneter verlässt BSW wegen AfD-Nähe
Thüringer Abgeordneter verlässt BSW wegen AfD-Nähe
Matthias Herzog verlässt das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) aufgrund wachsender Distanz und möglicher Annäherung an die AfD.
Der Thüringer Landtagsabgeordnete Matthias Herzog hat seinen Austritt aus der Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bekanntgegeben. Der 53-jährige Politiker, der zuvor als Unternehmer und Geschäftsführer des Basketball-Klubs XXL Baskets Erfurt tätig war, begründet seinen Schritt mit einer „Summe von Entwicklungen“, die ihn zunehmend von der Partei entfremdet haben.
Herzog kritisiert insbesondere die strengen Aufnahmebedingungen, die mangelhafte interne Kommunikation und die Ämterhäufung innerhalb der Partei. Seit Sommer 2025 habe er eine wachsende Distanz zu den Strukturen des BSW gespürt. „Ich kann nicht glaubwürdig Mitglied einer Partei sein, wenn ich mich ständig öffentlich distanzieren muss“, erklärte Herzog gegenüber WELT. Die inneren Konflikte und die Veränderung der Parteipositionen seien für ihn nicht mehr tragbar.
Ein weiterer Grund für seinen Austritt ist die mögliche Annäherung der BSW an die rechtspopulistische AfD. Insbesondere die Signale von Parteigründerin Sahra Wagenknecht, in Sachsen-Anhalt eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht auszuschließen, stoßen bei Herzog und anderen Parteimitgliedern auf Ablehnung. Herzog betonte, dass er zwar eine sachorientierte Prüfung von Anträgen befürworte, eine politische Zusammenarbeit mit der AfD jedoch für ihn nicht akzeptabel sei. „Wenn wir in Sachsen-Anhalt bewusst dazu beitragen, dass die AfD in Regierungsverantwortung kommt, ist für mich eine Grenze überschritten“, so Herzog.
Die BSW befindet sich derzeit in einem Richtungsstreit, der die Partei zunehmend spaltet. Während die Bundesvorstandsspitze um Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali sowie Sahra Wagenknecht auf einen Bruch der „Brombeer“-Koalition mit CDU und SPD drängen, verteidigt die Thüringer Landeschefin Katja Wolf den sogenannten „Thüringer Weg“. Erst kürzlich hatte die Thüringer Landtagsfraktion Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) bei einem Misstrauensvotum der AfD unterstützt.
Herzog will trotz seines Parteiaustritts sein Landtagsmandat behalten und weiterhin Teil der BSW-Landtagsfraktion bleiben. Er betonte, dass er zur Regierungskoalition mit CDU und SPD stehe und diese Zusammenarbeit verteidige. „Unseren ‚Thüringer Weg‘ verteidige ich“, so Herzog abschließend.
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