Frankreich reguliert Ultra-Billigmode
Frankreich reguliert Ultra-Billigmode
Frankreich verabschiedet ein Gesetz gegen die Umwelt- und Gesundheitsrisiken der „Ultra Fast Fashion“.
Frankreich hat ein neues Gesetz verabschiedet, das die Produktion und Vermarktung von „Ultra Fast Fashion“ eindämmen soll. Ziel ist es, die Umweltbelastung und die gesundheitlichen Risiken durch Billigmode zu reduzieren. Besonders betroffen sind chinesische Anbieter wie Shein und Temu, die den europäischen Markt jährlich mit Millionen von Kleidungsstücken überschwemmen.
Laut dem französischen Handelsminister Serge Papin sind diese Produkte oft von minderwertiger Qualität und gefährlich. Eine Untersuchung ergab, dass 70 Prozent der getesteten Kleidungsstücke nicht den französischen Normen entsprachen, während 45 Prozent sogar als gesundheitsgefährdend eingestuft wurden. Zudem bestehen viele dieser Kleidungsstücke aus Mikroplastikfasern, die sowohl die Umwelt als auch die Gesundheit belasten.
Das Gesetz sieht zwei zentrale Maßnahmen vor: Erstens wird ein Produktionsmalus eingeführt, der Hersteller bestraft, wenn sie Kleidung zu Preisen anbieten, die eine Reparatur unwirtschaftlich machen. Zweitens wird ein Werbeverbot für „Ultra Fast Fashion“ eingeführt. Allerdings ist die Umsetzung des Werbeverbots aufgrund von EU-Rechtsvorschriften kompliziert, da Frankreich für jedes betroffene Unternehmen Ausnahmen in Brüssel beantragen muss.
Die Deutsche Umwelthilfe hat ebenfalls alarmierende Ergebnisse veröffentlicht. In einer Kinderjacke wurde eine 12.000-fache Überschreitung der Grenzwerte für sogenannte Ewigkeitschemikalien festgestellt. Diese Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit des neuen Gesetzes, das von Öko-Aktivisten wie Flore Berlingen als „kultureller Fortschritt“ bezeichnet wird.
Kritik gibt es jedoch an der Ausgestaltung des Gesetzes. Europäische Modeunternehmen wie Zara und H&M konnten durch Lobbyarbeit erreichen, dass sie nicht unter die neuen Regelungen fallen. Sie bieten zwar große Mengen an Kleidung an, jedoch zu Preisen, die eine Reparatur noch lohnenswert machen. Diese Unternehmen zahlen zudem Steuern und beschäftigen Menschen vor Ort, was sie von den chinesischen Anbietern unterscheidet.
Pierre Talamon, Vorsitzender des Nationalen Bekleidungsverbandes in Frankreich, begrüßt das Gesetz und sieht Frankreich als Vorreiter im Kampf gegen „Ultra Fast Fashion“. Dennoch bleibt die Frage offen, ob die Maßnahmen ausreichen, um die schädlichen Praktiken der Branche nachhaltig zu bekämpfen.
Bearbeitet und vorbereitet von AboMatrix
