Shell ignoriert Warnungen und hält verschmutzte Pipeline in Niger-Delta offen
Shell ignoriert Warnungen und hält verschmutzte Pipeline in Niger-Delta offen
Interne Dokumente zeigen, dass Shell trotz Warnungen seiner Mitarbeiter eine stark verschmutzte Pipeline im Niger-Delta jahrelang in Betrieb hielt.
Interne Unterlagen, die im Rahmen eines laufenden Gerichtsverfahrens in Großbritannien offengelegt wurden, zeigen, dass der Energiekonzern Shell eine Pipeline im nigerianischen Niger-Delta trotz massiver Umweltverschmutzung und Warnungen seiner eigenen Mitarbeiter jahrelang weiter betrieb. Die Pipeline, bekannt als Nembe Creek Trunk Line, transportiert täglich bis zu 150.000 Barrel Rohöl und war Ziel umfangreicher illegaler Öl-Diebstähle, die zu erheblichen Schäden in der Region führten.
Laut einem Bericht, der von Amnesty International und sieben weiteren Organisationen veröffentlicht wurde, wurde Shells nigerianische Tochtergesellschaft, die Shell Petroleum Development Company (SPDC), im Jahr 2013 von Teilen der globalen Sicherheitsstandards des Unternehmens ausgenommen. Diese Ausnahme erlaubte es, den Betrieb der Pipeline fortzusetzen, obwohl interne Berichte darauf hinwiesen, dass dringende Korrekturmaßnahmen oder eine Stilllegung notwendig seien. Bereits 2008 äußerte ein technischer Vizepräsident von Shell Bedenken, die jedoch von der damaligen regionalen Vizepräsidentin überstimmt wurden.
Die Dokumente zeigen, dass Shell trotz der bekannten Risiken und Umweltfolgen den Betrieb der Pipeline fortsetzte, um hohe Kosten durch eine Stilllegung zu vermeiden. Interne Präsentationen fragten Mitarbeiter direkt, ob sie sich mit der Fortsetzung des Betriebs „wohl fühlen würden, obwohl weitere Umweltschäden auftreten werden“. Zudem wurde festgestellt, dass SPDC keine Echtzeitüberwachung für Lecks in großen Teilen des Netzwerks hatte, was die Kontrolle und Eindämmung von Ölverschmutzungen erschwerte.
Die Enthüllungen werfen Fragen zur Verantwortung von Shell und seiner Muttergesellschaft auf, da Dokumente darauf hindeuten, dass hochrangige Führungskräfte des Konzerns über die Vorgänge informiert waren und Entscheidungen aktiv mittrafen. Obwohl die Ereignisse direkt in Nigeria stattfanden, könnten die Vorwürfe gegen Shell auch Auswirkungen auf die deutsche Energiepolitik und die Haltung gegenüber internationalen Konzernen haben, insbesondere im Hinblick auf Umweltstandards und Unternehmensverantwortung.
Quelle: euobserver.com
