Irlands Sicherheitsdefizite gefährden EU-Ratspräsidentschaft
Irlands Sicherheitsdefizite gefährden EU-Ratspräsidentschaft
Irland offenbart während seiner EU-Ratspräsidentschaft gravierende militärische Defizite, die die Sicherheit europäischer Ministertreffen gefährden.
Irland steht während seiner sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft vor erheblichen Herausforderungen im Bereich der Sicherheit. Trotz der Verantwortung, zahlreiche europäische Ministertreffen auszurichten, zeigt sich, dass die irischen Streitkräfte weder den Luftraum noch den Seeraum des Landes eigenständig schützen können. Diese Woche finden in der Grafschaft Wicklow südlich von Dublin informelle Treffen der Verteidigungs- und Außenminister der EU statt, die einen besonderen Sicherheitsaufwand erfordern.
Die irische Regierung hat zur Sicherung dieser Treffen Unterstützung von der britischen Royal Navy und der französischen Marine angefordert. Zwei Fregatten sollten mit ihren Radarsystemen den Luftraum und das angrenzende Seegebiet überwachen. Doch rechtliche Hürden erschweren die Umsetzung: Laut einem Hinweis des Generalstaatsanwalts dürfen ausländische Kriegsschiffe einen Mindestabstand von 22 Kilometern zur irischen Küste nicht unterschreiten, da dies eine Verletzung der irischen Verfassung darstellen würde. Zudem dürfen militärische Aktionen auf irischem Boden nur durch das irische Parlament genehmigt werden.
Die Sicherheitsproblematik wird durch weitere rechtliche Einschränkungen verstärkt. Selbst außerhalb des irischen Hoheitsgebietes dürfen militärische Gewaltmaßnahmen, wie etwa der Abschuss feindlicher Drohnen, nur von irischen Offizieren angeordnet werden. Um diese Vorgaben zu erfüllen, hat Irland Verbindungsoffiziere auf die britischen und französischen Fregatten entsandt, die im Ernstfall Einsatzbefehle autorisieren können. Diese Maßnahmen verdeutlichen die Schwierigkeiten, die Irland aufgrund seines Neutralitätsstatus und seiner begrenzten militärischen Kapazitäten bewältigen muss.
Die irische Regierung hatte zu Beginn ihrer Ratspräsidentschaft angekündigt, die europäische Sicherheitsstrategie voranzutreiben und kritische Fähigkeitslücken zu schließen. Doch die aktuellen Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die eigenen Defizite und die Herausforderungen, vor denen die EU steht. Die Sicherheitsprobleme Irlands könnten langfristig die europäische Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich beeinflussen und zeigen, wie wichtig es ist, gemeinsame Lösungen für hybride Bedrohungen und militärische Schwächen zu finden.
Quelle: faz.net
